Kritik und Zukunftsaussichten

Ohne Zweifel können Regiogeld-Initiativen auf eine nicht zu verachtende Lobby zurückgreifen. Dafür sprechen unter anderem die zwischen 2003 und 2005 in Prien/Chiemsee stattgefundenen drei Regiogeld-Kongresse oder aber auch der junge Regiogeld e.V. als Verband und zentrale Anlaufstelle für Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit, wenn es um die Erforschung und Bekanntmachung regionaler Komplementärwährungen geht. Weiterhin sind die erfolgreichen Initiativen des letzten Jahrhunderts für Regiogeld im Allgemeinen ausgezeichnete Referenzen.

Überhaupt existiert Regiogeld in gewisser Weise auch unabhängig vom eigentlichen Drucken und Emittieren einer Komplementärwährung. So können Bezugsscheine jeder Art, also beispielsweise auch Wohnberechtigungsscheine, als eine nur im Kontext gültige Währung angesehen werden, für die man im Tausch eine andere Ware und/oder Dienstleistung erhält. Auch Gutscheine lassen sich dazu zählen, da ja auch sie zeitlich begrenzt sind und teilweise auch gegen Euro eingetauscht werden.

Beschränkt man Regiogeld-Initiativen auf den Kern des Freigeldes, so scheint eine parallele Entwicklung zu anderen regionalen und sozialen Bewegungen wahrscheinlich. Die weltweiten Slow-Food-Bewegungen gehören ebenso zu dem möglichen Regiogeld-Netzwerk, wie aber auch regionale Essentafeln, Kleiderausgabestellen für Bedürftige und andere wohltätige Dienstleistungen dazu gehören. Außerdem werden mit Hinblick auf die aktuelle Finanzkrise zahlreiche Unternehmen auf die sozioökonomischen Strukturveränderungen mithilfe einer Neoregionalisierung ihrer Strategie reagieren. Das Konzentrieren auf bzw. das Fördern des regionalen und lokalen Absatzes durch das Akzeptieren von Regiogeld ist insofern auch ein wirtschaftspolitisches Instrument.

Je erfolgreicher eine Regiogeld-Initiative wird, desto größer wird der Druck auf die Politik werden, die gesetzliche Währung attraktiver zu machen bzw. ihre Kaufkraft zu erhalten und nachhaltig zu stärken. Anders als in totalitären Zeiten wird die EZB als europäische Währungszentrale kaum so rigoros, sondern vielmehr diplomatischer agieren, wenn es um Regiogeld geht. Insofern sind Verbote so lange nicht denkbar, als dass Regiogeld ausschließlich als regional beschränkte Komplementärwährung Verwendung findet. Schließlich erschafft dieses Freigeld auch ein Gefühl lokaler Zusammengehörigkeit.

Probleme wird es letztlich jedoch immer dann geben, wenn die Umlaufgebühr zu hoch ist bzw. das Regiogeld zu schnell an Wert verliert. Dies kann dazu führen, dass es dann als Zahlungsmittel an Attraktivität verliert. Außerdem ist es wichtig, dass auch und vor allem in Zeiten finanzieller Krisen Menschen davon überzeugt werden, dass Talsohlen vor allem dadurch überwunden werden, wenn Geld im Umlauf bleibt und nicht durch übervorsichtiges Sparen der Geldstrom trockengelegt wird.

Wichtig bleibt weiterhin auch, dass immer eine Deckung mit der gesetzlichen Währung als Stabilisator und Bezugsgröße vorliegt. Außerdem muss die Teilnahme immer auf Freiwilligkeit basieren. Schließlich erzeugt erst diese ein motiviertes Mitmachen seitens aller Akteure.

Auch rechtlich sind noch viele Fragen offen. Beispielsweise scheint immer noch nicht geklärt, wie groß der Personenkreis sein darf, der Regiogeld nutzt, ohne dass dadurch das Geldausgabemonopol der Europäischen Zentralbank gefährdet würde. Ebenso ist von Fall zu Fall zu klären, inwieweit die Gründung einer Regiogeld-Initiative weniger ökonomische, als vielmehr politische Hintergründe hat. Regiogeld soll schließlich nicht dazu dienen Nationalismus zu tarnen, sondern die Akteure der Region und der Globalisierung sozial verträglich und fair miteinander zu verbinden.

1 Kommentar zu „Kritik und Zukunftsaussichten“

  • Bodo Konrad:

    "Anders als in totalitären Zeiten wird die EZB als europäische Währungszentrale kaum so rigoros, sondern vielmehr diplomatischer agieren, wenn es um Regiogeld geht. Insofern sind Verbote so lange nicht denkbar, als dass Regiogeld ausschließlich als regional beschränkte Komplementärwährung Verwendung findet."
    Die EZB kann doch keine Regiowaehrung verbieten, sie ist eine Privatbank. Ansonsten waere das der offizielle Beweis, das Banken den Staat regieren?

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